Hello Accra!

Circle in Accra von oben fotografiert
Lesezeit: ca. 10 Minuten

Jetzt bin ich hier in Guabuliga und schreibe am Blog, bei schlechtem Internet aber dafür bei traumhaften Höchstwerten von 38°C. 6% Luftfeuchtigkeit gibt es noch kostenlos dazu! Nein ernsthaft, das Wetter ist wirklich super und die 38°C sind dank der niedrigen Luftfeuchtigkeit echt angenehm. Dafür muss man schon öfter mal den Labello ansetzen, die Lippen fühlen sich nämlich wie Sand an. Beim Verlassen des Flughafens am 22. Jänner sah die Sache schon ein wenig anders aus. Eins nach dem Anderen.

Der Flug

Um 4:20 Uhr morgens haben wir uns zu viert (Alina, Papa, Mama und ich) in unseren Skoda Yeti gesetzt um nach München zum Flughafen zu fahren. Ein bisschen nervös ist man dann doch, deswegen war an Schlaf nicht mehr zu denken. Eine kurze Verabschiedung, damit nicht zu viele Tränen fließen. Man sieht sich ja eh in einem Jahr wieder. Alina und ich haben uns dann ins Terminal 2 begeben (sie fuhr dann nach meinem Abflug gleich mit dem Zug von München nach Hannover, deswegen konnte sie noch mitkommen). Da der Flughafen wie leergefegt war konnten wir uns noch einen Kaffee vor der Flughafenkontrolle gönnen, bevor auch wir uns verabschiedeten. Kurz und schmerzlos, wie echte Erwachsene halt 🙂

Das Wetter war nicht so gut, deswegen war der Abflug verspätet. Ich habe aber trotzdem meinen Anschlussflug in Brüssel bekommen und konnte sogar noch halbwegs entspannt in Brüssel biseln gehen. Einziger Kritikpunkt am Flug von Brüssel nach Accra: Es gab kein vegetarisches Essen zur Auswahl. Das war aber noch verschmerzbar und wie ich bereits gelernt habe, ist eine vegetarische Ernährung in Ghana vermutlich eh gar nicht vorgesehen.

Kotoka Airport – Accra

Noch vor der Passkontrolle musste ich meinen Impfausweis zücken um kontrollieren zu können, ob ich denn eh gegen Gelbfieber geimpft bin. Bei der Passkontrolle wurde ich gefragt, was ich in Ghana vorhabe und wie lange ich denn denke zu bleiben. Als ich dem Herrn im Glasverbau berichtete, dass ich ein Jahr bleiben möchte hat er erst ein wenig komisch geschaut und mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich regelmäßig mein Visum verlängern müsse (weiß ich eh, wurde von Braveaurora ja eh schon topinformiert). Nach kurzem Überlegen und nachdem ich einen Fingerabdruck jedes Fingers abgeben musste (Liebe österreichische Behörden, wenn ihr mal alle meine Abdrücke braucht, ruft einfach in Ghana an!) durfte ich dann meines Weges ziehen und auf mein Gepäck warten.

Auf dem Weg zum Hostel

Vor dem Flughafen empfing mich bereits Gilbert (ein über zehn Ecken bekannter Ghanaer, wohnhaft in Swedru) und ich bekam erst einmal einen gewaltigen Schlag ins Gesicht. Ja, Accra hat es in sich! 30°C bei 80% Luftfeuchtigkeit. „Do gehst ei!“, würde der Österreicher jetzt vermutlich sagen. Man gewöhnt sich aber schnell daran, dass man außerhalb von Gebäuden eigentlich immer im eigenen Schweiß gebadet herumläuft 🙂

Gilbert hat uns dann ein Taxi besorgt (ein, von der Größe, mit einem Fiat Punto vergleichbares Auto, das mindestens schon einen Weltkrieg überstanden hat, wo kein Gurt mehr funktioniert und die Warnlampen wie ein Christbaum leuchten), wobei wir eine Weile gesucht haben, bis wir ein günstiges gefunden haben. Der erste wollte nämlich 50 GHC (ghanaische Cedis) haben, was bei Gilbert Unbehagen auslöste. Schließlich sind wir dann für 25 GHC vom Flughafen zum Hostel (somewhere nice, sehr zu empfehlen!) gefahren. Angebotene Preise der Taxifahrer muss man IMMER verhandeln, sie sind eigentlich immer zu hoch. Außerdem ist nicht der Taxifahrer, sondern der Fahrgast für die Wegbeschreibung und Ortskenntnis zuständig. Der Fahrer tat zwar anfangs so, als würde er genau wissen wo wir hinwollen, eigentlich hatte er aber keinen Plan wo die Straße war und wusste nur grob den Stadtteil, in dem die Straße liegt. Ist aber gängig hier. Wie gesagt, der Fahrgast ist für die Wegbeschreibung zuständig.

Im Hostel gab es dann von Gilbert mitgebrachte Bananen und Weißbrot zur Jause. Genial kann ich nur sagen! In Ghana habe ich lernen dürfen, wie Bananen, Ananas, Mango und Avocado eigentlich wirklich schmecken. Unglaublich viel besser als die Verwandten in österreichischen Supermärkten. Außerdem konnten wir noch die Tanzkünste eines nigerianischen Tänzers bewundern, welcher an diesem Abend im Hostel war.

Accra bei Tag

Am nächsten Tag sind wir dann durch Accra spaziert, haben mir eine ghanaische SIM-Karte besorgt (inklusive Vodafone-Cash), haben uns am Busterminal nach dem Ticket in den Norden erkundigt, haben uns an einem Shop mit leckerem Essen gelabt und genossen die Stille am Circle in Accra. Stille, Circle – ein Oxymoron.

Ich glaube dass man das einfach erlebt haben muss wie unglaublich laut es dort ist. Dort tummeln sich tausende Straßenhändler, der Verkehr ist die Hölle und über Lautsprecher werden religiöse Predigten und die Ziele der Busunternehmen lautstark und in Schleife durchgegeben. Da die Müllentsorgung nahezu gar nicht funktioniert vermischen sich die Abgase der rustikalen TroTros (diese bilden praktisch den öffentlichen Busverkehr) mit den vielfältigen Gerüchen des Mülls. Zusätzlich zum Lärm setzt das dem Ganzen noch die Krone auf.

Mitten im Circle in Accra – leider hört man den Lärm im Video nicht so gut. Circle muss man einfach live erleben!
Die Person im Bild ist Gilbert, mit ihm habe ich meine ersten Tage verbracht.

Was beim Verkehr besonders ist: Es wird gehupt und geschrien. Und das nicht einfach aus Spaß sondern aus verschiedenen Gründen:

  • Ein Taxi ist leer und möchte dich mitnehmen – hupt – passiert ca. alle 20 Sekunden (es sind echt verdammt viele Taxis unterwegs)
  • Ein Taxi möchte die Vorfahrt – hupt
  • Aggressionsabbau wenn einem die Vorfahrt genommen wird – hupt
  • Ein Motorradfahrer möchte andere auf sich aufmerksam machen, da er einfach zwischen zwei nebeinander fahrenden Autos durchfährt – hupt und fährt mit Alarmblinkanlage
  • Ein Fahrer grüßt jemand einen anderen Fahrer – hupt
  • Ein Fahrer grüßt eine Passanten – hupt
  • Bus überholt LKW auf Landstraße – Bus hupt – LKW droht Bus zu streifen – Bus hupt mehr
  • Ein TroTro fährt ab, hat aber noch freie Plätze – TroTro-Manager schreit wiederholt bei fahrendem Bus und offener Schiebetüre aus dem TroTro (z.B.: Sörk, Sörk, Sörk [sollte Lautschrift sein]. Heißt: TroTro hat noch Platz und fährt zum Circle) – TroTro-Fahrer hupt bei Bedarf
  • Und manchmal wird halt auch einfach wirklich spaßeshalber gehupt 🙂

Abgesehen davon ist Accra sehr stark von Straßenhändlern und sogenannten „Shops“ geprägt.

Die Straßenhändler*innen tragen ihre Ware meist auf dem Kopf herum oder sitzen, wie z.B. am Circle, direkt am Gehsteig oder auf der Straße und verkaufen dort ihre Waren. Kaufen kann man bei Ihnen gefühlt alles: Mangos, Gürtel, Wasser in Plastikflaschen oder Sachet-Bags (Wasserbeutel), Schokolade, Handys, Computer, Schuhe, Anzughosen, Eier, Handyhüllen, Flip-Flops, etc. Jene die an der Straße sitzen warten zumeist, dass jemand fragt oder sie sprechen einen freundlich an, ob man etwas kaufen möchte. Die mobilen Straßenhändler*innen spazieren ständig durch die Menge und machen durch Pfeif- und Fiepgeräusche auf sich aufmerksam. Vor allem am Circle kommen im Minutentakt fliegende Händler*innen vorbei und fiepen und pfeifen herum.
Durch diese Art des Handelns braucht man sich speziell in Accra nie Sorgen machen kein Wasser oder nichts zu Essen zu haben. Denn spätestens nach einer Minute trifft man eine Händler*in, der oder die die gewünschte Sache anbietet. Das geht sogar so weit, dass man direkt aus dem TroTro Waren kaufen kann, sogar während der Fahrt. Die mobilen Händler*innen kommen, wenn das TroTro an einer Ampel oder an der Mautstation steht, direkt zum Fenster und verkaufen Leckereien, Wasser, Kopfhörer, etc. was ausgesprochen praktisch ist!
Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass keiner der Händler*innen irgendwie aufdringlich wurde. Verneint man das Angebot, dann wird das auch akzeptiert, was sehr angenehm ist!

Die Shops sind permanente Verkaufsräume, in denen man gekochte Speisen, SIM-Karten und auch sämtliche Artikel der Straßenhändler kaufen kann und bestehen oft aus einer gezimmerten Hütte oder aus einem ausrangierten Schiffscontainer. Sie sind oft den ganzen Tag über, bis spät am Abend besetzt und bieten oft eine Mischung aus Selbstgemachtem und Handelswaren. Außerdem gibt es auch Shops, bei denen man Geld auf das Vodafone-Cash System einzahlen, bzw. davon beheben kann (das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Netzbetreiber). Vodafone-Cash kann man sich wie ein Bankkonto vorstellen, welches direkt vom Handy verwaltet werden kann. Das Geld liegt quasi auf der SIM-Karte und kann von dort aus zu anderen Personen gesendet werden, zum Handyaufladen verwendet werden oder direkt in einem der Shops ausgezahlt werden.

Was aber auf jeden Fall in Erinnerung bleibt, und was sich auch hier im Norden fortsetzt, ist die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Ghanaer*innen. Wenn man Hilfe braucht ist es ganz egal, wen man auf der Straße fragt, es wird einem immer weitergeholfen! Das geht sogar so weit, dass Personen einen persönlich bis zum Ziel begleiten, wenn man den Weg nicht weiß. Oder dass sie, wie mir z.B., dabei helfen, das falsch gekaufte Busticket umzutauschen, obwohl sie mit dem Ticketverkauf eigentlich gar nichts zu tun haben.
Außerdem ist es immer eine Selbstverständlichkeit sich nach dem Wohlbefinden der jeweils anderen Person zu erkundigen, auch dann, wenn man diese zum ersten Mal getroffen hat.

Bus von Accra nach Walewale

Am 25. Jänner habe ich dann für 17 Uhr ein Busticket erwischt. Ich war brav um 16:30 Uhr vor Ort und habe gewartet, bis der Bus abfuhr. Um 19:40 Uhr sind wir dann schließlich losgekommen, was unter anderem auch daran lag, dass der Reisebus von unten bis oben komplett voll war und eine Ewigkeit damit verbracht wurde, alles in den Bus zu schlichten bzw. zu stopfen. Ich konnte nicht einmal meinen Reiserucksack im Gepäckraum des Busses verstauen, da dieser bereits randvoll war. Somit stand mein Gepäck die ganze Zeit am Gang (was dazu führte, dass ich immer wieder mal das Gepäck auf den Schoß genommen habe, wenn jemand den Gang entlang gehen wollte). Das Lustige war aber, dass der Bus eigentlich schon um 15 Uhr abfahren hätte sollen, zumindest stand diese Abfahrtszeit auf dem Ticket eines anderen Mitreisenden. Somit war der Bus dann gleich mal 4,5 Stunden verspätet.

Nach einer kurzen Rast auf einer Raststätte, wo man sogar frisch gekochtes Essen im Shop kaufen konnte, ging die Fahrt weiter. Natürlich wurde auch hier wieder gehupt, was anzeigen sollte, dass der Bus weiterfährt und man am Klo gefälligst Gas geben sollte. Das Problem war nur, dass mindestens fünf ziemlich gleichartige Busse am Parkplatz standen und jeder irgendwann einmal gehupt hat. Somit wusste man natürlich erst wieder nicht, wann der eigene Bus abfuhr 🙂

Um ca. 23:30 Uhr war ich schon eingedöst, als ich plötzlich von einem grellen Blitz geweckt wurde. Der Bus wurde langsamer und man erkannte, dass auf unserer rechten Straßenseite ein LKW mit offener Motorhaube stand. Dort gab es wohl einen mächtigen Kurzschluss im Motorraum. Auf den zweiten Blick erkannte ich dann das eigentlich größere Problem: Ein Bus stand mit der Front halb im Graben, hinter ihm eine riesige Ölspur. Ansonsten sah alles ruhig aus.

Ab hier braucht man wahrscheinlich stärkere Nerven, um weiterlesen zu können. Das Beschriebene war auch für mich während und nach dem Unfall nicht leicht zu verarbeiten.


Wir fuhren am Unfall vorbei und hielten ca. 50m danach. Während des Fahrens merkte man schon, dass Glassplitter auf der Straße lagen. Ich wollte aussteigen und mir die Sache einmal näher ansehen und schauen, ob ich irgendwie helfen konnte, wurde aber zuerst zurückgewiesen weil jemand meinte, ich solle besser sitzen bleiben. Ich stieg trotzdem aus und argumentierte, dass ich Rettungssanitäter bin und ja vielleicht helfen kann. Mit meinen Klapperl an den Füßen stapfte ich dann zum Bus und sah kein erfreuliches Bild.

Der Bus war frontal auf der rechten Seite vom LKW erwischt worden und war dort auch völlig zerstört. Am dreckigen Boden sah ich dann einen Mann, liegend, mit Scherben im leicht blutenden Gesicht, zerfetzter Hose und einer massiven Wunde am Fuß. Er war nicht ansprechbar, atmete aber noch und drehte von Zeit zu Zeit seinen Kopf etwas hin und her. „Keine Reanimation“, dachte ich, zumindest mal etwas. Ich fragte einen neben mir stehenden Mann, ob denn die Rettung schon gerufen wurde. Die sinngemäße Antwort: „Ich weiß es nicht, aber ich weiß nicht einmal die Notrufnummer. Die Polizei ist aber auf dem Weg“. Puh. Wenn die Polizei Bescheid weiß, dann wird hoffentlich auch die Rettung verständigt werden. Weiterarbeiten.

Zumindest jetzt war es von Vorteil, dass mein Reiserucksack mit dem Verbandsmaterial nicht im Gepäckabteil war. Die Busse führten nämlich keines mit, oder zumindest wusste niemand davon. Ich rannte zurück, schnappte mir ein paar Wundauflagen, Peha-Haft, Mullbinden, Feuchttücher und ein paar Handschuhe. Außerdem zog ich mir meine geschlossenen Waldviertler an, so sicher war die Unfallstelle dann doch nicht (überall Glassplitter), dass man da mit Klapperl weiterarbeiten hätte können.

Ich kam zum Mann zurück, sein Zustand war unverändert und ich versuchte ihm einen Verband am Fuß anzulegen. Erst jetzt fühlte ich, dass der Fuß komplett zertrümmert war. Den Gedanken, einen Verband anzulegen, verwarf ich wieder. Auch sah ich, dass beide Beine gebrochen waren und in Fehlstellung waren. Er war weiterhin nicht ansprechbar. Ich musste ihn liegen lassen. Diese Hilflosigkeit macht einem zu schaffen.

Daneben lag noch ein Mann. Er sagte dass er seine Beine nicht bewegen konnte und Schmerzen hatte. Ansonsten war er aber okay. Ich gab ihm ein paar Feuchttücher, damit er sich einmal das Blut aus dem Gesicht wischen konnte. In dem Moment fielen mir die Schmerzmedikamente ein, die ich im Rucksack hatte. Also wieder zurück zum Bus und das Packerl Parkemend 500mg geholt. Das sind die stärksten Schmerzmedikament, die ich mithabe. Kurz im Bus noch die Höchstdosis aus der Packungsbeilage gecheckt und wieder zurück zur Unfallstelle gelaufen.

Ich gab dem Mann die Höchstdosis (irgendwie musste der Kerl ja auch noch umgelagert werden) und gab ihm meine Wasserflasche, damit er die Tabletten runterspülen konnte. Den schwerverletzten und bewusstseinseingetrübten Mann fragte ich, ob er schlucken könne, denn ihm wollte ich auch Schmerzmedikamente verabreichen. Er konnte noch immer keine Antwort geben.

Einen neben mir stehenden Mann fragte ich, ob es noch mehr Verletzte gab und ob sich im Bus noch Personen befinden würden. Er deutete auf die zerstörte Stelle am Bus. Ich sah dort nur ein Bein aus den Trümmern ragen. „Nur diese Frau, aber sie ist tot“.

Ich ging zurück zu einer Gruppe leichtverletzter Personen die am Boden saßen, fast alle davon waren Frauen, die über Kopf- und Beinschmerzen klagten. Ich gab ihnen alle eine Tablette und Wasser. Glücklicherweise schien keine von ihnen schwer verletzt zu sein, das Schlimmste davon waren Abschürfungen. Als ich alle mit Tabletten versorgt hatte bemerkte ich, dass die Polizei mit einem Pickup eingetroffen war und bereits Personen, darunter auch der nahezu bewusstlose Patient, auf die Ladefläche geladen wurden. Ich ging zum Fahrer des Wagens und fragte ihn, wann die Rettung eintreffen würde. Er meinte, dass sie mit dem Pickup die Patienten ins Krankenhaus bringen würden.

In dem Moment zerrte mich ein Mitfahrer meines Busses wieder in Richtung Bus und meinte, dass wir jetzt losmüssen. „Du hast genug geholfen“, meinte er. Der Meinung war ich nicht. Da ich in dem Moment aber nicht wusste, was ich jetzt so ganz ohne dem gewohnten Equipment aus dem Rettungswagen noch machen könnte und eigentlich noch immer perplex ob der ganzen Situation war, folgte ich ihm. Der Bus war schon am Anrollen als ich einstieg und bemerkte, dass der verunfallte LKW hinter unserem Bus zu brennen begonnen hatte. Keine Feuerwehr in Sicht. Im Bus musste ich erst einmal mein Zeugs und mich selbst sortieren, bevor ich wieder im Bus Platz nahm.

Ich war mit der Situation und mir unzufrieden. Man steht überfordert da und ist gefühlt der einzige, der von erster Hilfe Ahnung hat, selbst aber fast nicht helfen kann.
„Was, wenn die drei Tabletten auf einmal zu viel waren?“
„Die Ärzte wissen nichts von den verabreichten Medikamenten, was wenn es zu Problemen im Krankenhaus kommt?“
„Was, wenn der Schwerverletzte am Pickup reanimationspflichtig wird, wer hilft?“

Diese Nacht lehrte mich an einem unschönen Beispiel, wie gut und selbstverständlich in Österreich das Rettungssystem funktioniert. Ganz egal, ob es die Feuerwehr, die Rettung, die Polizei, ein anderer Hilfsdienst oder auch das Notrufsystem ist, es funktioniert einfach. Keiner muss sich darüber Gedanken machen. Jeder bekommt, innerhalb kürzester Zeit, professionelle Hilfe, immer. Dafür möchte ich an dieser Stelle einfach mal ein Danke aussprechen. Für das System an sich und für alle fleißigen Helfer*innen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit aktiv werden.

Meine Ankunft in Walewale (die nächstgrößere Stadt von Guabuliga und gleichzeitig Bezirkshauptstadt) war dann um 10:30 Uhr. So viel kann ich schon mal sagen: Die Busfahrt war bisher sicherlich der schlimmste Eindruck in Ghana. Alles Weitere verlief und verläuft bisher mehr als positiv und ich fühle mich hier in Guabuliga sehr, sehr wohl. Aber dazu gibt es in einem weiteren Eintrag mehr.

2 Kommentare zu „Hello Accra!“

  1. Mareike Röncke

    Hi Gabriel,
    ganz schön heftig, was du in der kurzen Zeit schon erlebt hast, pass auf dich auf!
    Schade, dass wir uns nicht mehr gesehen haben, aber du weißt ja, ich war etwas abgelenkt…
    Alles Gute und viele liebe Grüße,
    Mareike

    1. Hi Mareike,

      ich geb mir beste Mühe heile zu bleiben 🙂
      Ja, mir ist da zu Ohren bekommen, dass bei euch ein junger Entwickler in die Wohnung eingezogen ist, highly appreciate!

      2021 können wir dann sicher mal was in Hannover organisieren, vielleicht sogar einen Hackathon mit Erik, wer weiß?

      Bis dahin wünsche ich euch Dreien natürlich das Allerbeste und immerwährende Gesundheit 🙂
      Gabriel

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