Unterwegs in der Savannah Region

Elefant in Nahaufnahme
~ 7 min.

Ich weiß, du hättest dir jetzt wahrscheinlich einen Blogeintrag über das Leben in Guabuliga erwartet. Da ich aber am Wochenende in der Nähe des Mole-Nationalparks unterwegs war und eh noch nicht genug Fotos vom Dorf habe, serviere ich dir jetzt hier meine Erlebnisse in Gegenwart von Elefanten und Königstauchern.

Auf nach Mole

Am Freitag haben wir (drei Freunde von Simone, eine der Vorstände von Braveaurora, welche zu Besuch in Guabuliga waren) für 12 Uhr über Hak, einem Bekannten von Simone, welcher vermutlich immer noch ein bisschen in sie verliebt ist, einen privaten Fahrer organisiert, welcher uns in Walewale (das ist die nahegelegene Bezirkshauptstadt) abgeholt hat. Das Trotro kam in diesem Fall nicht in Frage, da die Bekannten von Simone sehr viel Gepäck mit hatten, welches Sicherheit während der Fahrt vom Dach gefallen wäre 🙂

Gefahren wurden wir dann von Haks Bruder. Er zeigte und ratschte mit uns viel auf der Strecke, hackte bei einem kurzen Stopp am Straßenrand mit einer Machete einen riesigen Termitenbau auf (scheinbar muss man unbedingt mal das Innere eines Baus gesehen haben) und war auch für einen Zwischenstopp in Tamale zu haben. Wie es der Zufall so will sehe ich beim Einparken ein vertrautes Symbol: Rotes Kreuz auf weißem Grund. Jackpot!

Während sich die Anderen an der Imbissbude labten saß ich schon mit dem quasi Ortsstellenleiter der “Ghana Red Cross Society” der Northern Region beisammen und sprach mit ihm über meinen Plan Erste Hilfe Kurse für Braveaurora und eventuell auch für die Bevölkerung anzubieten. Da der Chefchef nicht da war, haben wir prompt einen Termin für Montag vereinbart. Da mich die Rückfahrt sowieso wieder über Tamale führte, war es für mich nicht einmal ein Umweg.

Geografieunterricht in Larabanga

Angekommen in Mole wurden wir dann von Hak persönlich empfangen. Mein Blick fiel gleich auf sein Kat, das er über der Nase mit einem Pflaster verpickt hatte: Rauferei laut seinen Angaben. Abgesehen davon war aber unsere Unterkunft, die Savanna Lodge, irgendwie nicht in Sicht. Stattdessen wurden wir von Hak gleich zur berühmten Moschee (engl. Mosque) von Larabanga geschleppt. Im Nebensatz wurde dann auch gleich erwähnt, dass das dann 30 GHS (Ghanaische Cedi, die Nationalwährung) pro Person ausmachen würde. Aja, wart mal ganz kurz…

Wir wollten dann doch erst mal unsere Sachen loswerden und nach Kundgabe unserer Forderung wurden wir dann zur Savanna Lodge eskortiert. Hak wollte unserem Gastgeber klarmachen, dass er morgen unser Guide für die Mosque sein wird. Da man aber ungute Leut’ in kleinen Orten meist ganz gut kennt, wurde Herr Hak ziemlich schnell des Platzes verwiesen. Wir konnten es uns dann erst einmal in einer der Hütten bequem machen: Einfach, aber bequem und sauber. Ganz nach meinem Geschmack!

Die Savannah Lodge
Die Savanna Lodge

Am Abend sind wir dann noch zum benachbarten Gebäude, wo Mädchen Sheabutter und Rucksäcke verkaufen. Das Verkaufsgespräch wandelte sich sehr flott zu einem gemeinsamen Ausflug zur Schule der Mädchen, inklusive Geografieunterricht zu den Themen: “Wo wohne ich?” und “Wo wohnen denn die Abrunis (Twi für “weiße Haut”)?” Lustigerweise wird genau diese Schule auch über eine Ghanaisch-Österreichische Partnerschaft, sowie durch Einnahmen aus der Vermietung der Hütten finanziert. Privatschule, aber kostenlos. Klingt sehr gut!

Geografieunterricht in Larabanga
Geografieunterricht in Larabanga. Thema: Wo leben wir und wo kommen die Anderen her?

Mit dem für mich unguten Beigeschmack, dass dort auch Volunteering angeboten wird, was in diesem Fall heißt: Ohne Lehrerfahrung/-ausbildung jederzeit jedes Fach unterrichten können. Das wurde auch uns angeboten. Die Sinnhaftigkeit möchte ich jetzt mal in Frage stellen. Auf der anderen Seite gibt es dann aber Hanbal, einen sehr motivierten ghanaischen Lehrer in Ausbildung, welcher regelmäßig und freiwillig an der Schule unterrichtet. Kostenlose Bildung und langfristige Lehrer*innen/Schüler*innen Beziehungen sind top, das mit dem Lehr-Volontariat für Kurzzeitaufenthalte, womöglich auch noch ohne Erfahrung in dem Bereich, ist aber nicht das Gelbe vom Ei.

Zwischen Elefant und Gazelle

Am Samstag sind wir nach Damongo gefahren, eine kleinere Stadt ca. 20 Minuten entfernt, und haben dort einen sehr angenehmen, weil nicht so stressigen, Markt besucht. Es war aber zur Mittagszeit verdammt heiß und dies auch der Grund, warum eine Mitreisende Probleme mit dem Kreislauf bekam. Nach dem Mittagessen in der Unterkunft sind wir dann zur Afternoon-Tour im Mole-Park aufgebrochen.

Ein Ranger mit Waffe ist Pflicht, ohne ihn gibt’s keine Tour. Verständlich, es kam auch schon zu Situationen bei denen ein Ranger ein Tier erlegen musste, weil es für Menschen zu gefährlich wurde. Ist halt hier kein Fuchs und kein Reh was herumläuft, sondern Löwe und Elefant. Wir haben die Tour mit dem Jeep gewählt und wurden am Dach des Fahrzeugs ordentlich durchgeschaukelt. Den Rest der Eindrücke darfst du gerne den Fotos entnehmen 🙂

Den Abend haben wir noch mit 3 sehr sympathischen Deutschen verbracht, deren Mission ein Volontariat in einem Kindergarten und einem Waisenhaus in Togo ist (in Zusammenarbeit mit der Organisation Weltwärts). Eine der drei, Kristin, hatte vom Reisen der letzten Tage bereits eine Blase zwischen den Zehen. Diese wurde nach dem Abendessen von ihrem Gefährten Jonas professionell mit einem gemahlenen Oktopus-Rückenknochen versorgt (diesen Heilhinweis haben sie am Strand gekriegt). Trotz meiner Zweifel ob diesem doch sehr ungewöhnlichen Wundbehandlung war ihr Zeh auch nach zwei Tagen noch nicht abgefallen, im Gegenteil, die Wunde war sogar kleiner. Wie grauslig das Ganze ausgesehen hat erspare ich dir an dieser Stelle. Ein Foto für mein Archiv habe ich mir dann aber trotzdem nicht verkneifen können (auf Anfrage unter persönlicher Aufsicht ab meiner Rückkehr nach Österreich besichtigbar).

Außerdem hat uns der Bruder unseres Gastgeber eine sehr interessante Tradition zwischen Dagomba (in der Savannah Region) und Mamprusi (North- und Upper-East Region, also auch Guabuliga-People 🙂 ) erklärt, welche immer noch Anwendung findet: Stirbt ein Familienmitglied der Dagomba, so ist eine Person der Mamprusi, welche sich gerade in der Gegend der Familie aufhält, dazu berechtigt, sich ein Stück Vieh (Ziege, Kuh…) mit nach Hause zu nehmen, ohne Wenn und Aber. Gleiches gilt natürlich auch für die Dagomba-People, wenn ein Familienmitglied der Mamprusi stirbt.

„What the fuck?“, war dann plötzlich sein Aufschrei, als ihm ein Engel die frohe Botschaft kundtat. Der Engel war ein Freund von ihm und die frohe Botschaft war jene, dass das Motorking (ein dreirädriges Mopedfahrzeug mit Ladefläche) beim Wasserholen im See versenkt wurde. Da wir natürlich auch neugierig waren fuhren Hanbal, Daniel und ich auf dem Moped hinterher. Richtig gehört, zu dritt auf einem Moped ist absolut kein Problem. Man kann generell festhalten, dass in und auf ghanaischen Fahrzeugen immer mehr Platz hat als man im ersten Moment denken würde. Die Fahrt war natürlich ganz klassich, ohne Helm.

Was war jetzt eigentlich das Problem? Das Motorking wurde mit Wasser beladen, die Handbremse war kaputt und niemand ist auf die Idee gekommen einen Stein unter die Räder zu legen. Mit steigendem Gewicht auf der Ladefläche hat sich dann das Motorking verabschiedet und ein kühlendes Bad genommen. Resultat: Am nächsten Tag wurde bereits der ganze Motor auseinandergenommen. Fahrtüchtig haben wir das Gerät aber bis zu unserer Abreise nicht mehr gesehen.

Larabanga aus der Nähe betrachtet

Den Sonntag verbrachten wir mit der Besichtigung der, laut Erzählung, 1421 erbauten Moschee in Larabanga, welche ca. 500m von unserer Unterkunft entfernt war und von außergewöhnlicher, für meinen Geschmack sehr ästhetischen, Bauweise ist und somit auch überhaupt nicht in das eigentliche Ortsbild passt. Außerdem gab es darauf noch eine Führung durch den Ort selbst. Unser Guide Adam, ein Sohn unseres Gastgebers, war ein äußert kompetenter Guide und auch für Fragen jederzeit zu haben. So haben wir zum Beispiel erfahren, dass in dem See, in dem die Frauen Wäsche waschen auch Krokodile leben, die Primary School vor dem Unterricht immer gekehrt wird weil sich Ziegen und Hühner darin verirren und diese meist nicht stubenrein sind, sowie dass es sogar ein öffentliches Müllentsorgungssystem gibt: Ein Container, verlassen ein paar Meter neben der öffentlichen Toilette, welcher immer dann geleert wird wenn sich hochrangiges Personal im Anflug befindet.

Moschee in Larabanga
Moschee in Larabanga. Laut Erzählung 1421 erbaut.

Den Nachmittag verbrachten wir bei einer Bootsfahrt im Ecovillage Mognori, ca. 30 Minuten von Larabanga entfernt. Man sollte dort aber darauf achten, dass man mit den Paddlern alleine im Boot sitzt. Da sicher auch der Bruder unseres Gastgebers die Bootsfahrt nicht nehmen ließ und die Paddler gut kannte, haben diese während der ganzen Bootsfahrt die Pappn (zu Deutsch: den Mund) offen gehabt. Nichtsdestotrotz war vor allem der Vogelreichtum sehr beeindruckend und somit kann ich die Bootsfahrt vor allem für Vogelnarrische, wie mich, uneingeschränkt empfehlen. In der Regenzeit noch einmal mehr, da man dann mit dem Boot noch weiter den Fluss entlang fahren kann.

Flug nach Guabuliga

Insgesamt waren es dann ca. 6 Stunden die ich im TroTro auf dem Weg nach Guabuliga verbracht habe. Da ja, wie oben schon erwähnt, Ghanaer*innen immer sehr effizient unterwegs sind, haben im TroTro auch locker 23 Leute Platz gehabt. Nur zur Erinnerung: TroTros sind nicht mehr als Minibusse, ähnlich wie 12-Sitzer Busse in unseren Breitengraden 🙂 Mit langen Haxen (dt. Beinen) natürlich ein Traum, dafür mit insgesamt 25 GHS auch sehr günstig. Da zieht man dann die Knie gern noch ein bisschen weiter ans Kinn 🙂

Auch die Heimfahrt von Walewale nach Guabuliga war ein Erlebnis für sich. Wenn man mit dem Motorrad als Beifahrer bei Finsternis mit 60 Sachen über ein Schlagloch von der Größe eines Kinderplantschbeckens mit 15 cm Tiefe „fliegt“ bleibt einem doch kurz einmal das Lufterl weg. Nur gut, dass wenigstens der Fahrer einen Helm aufgehabt hat, man hört ja eh so viel 🙂

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